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[REVIEW] AER: Memories of Old – Entschleunigung, Freiheit und Entspannung

Es gibt Spiele, die sprühen nur so vor Ästhetik und sind schlichtweg einfach schön. Schön von innen, schön von außen, schön für das Auge und schön für die Seele. So ein Spiel ist AER, das neue Indie-Adventure aus dem Hause Daedalic Entertainment.

Es war einmal ein Land, das hatte viele, glückliche Bewohner. Tiere und Menschen lebten dort gemeinsam mit ihrem Glauben an die Götter im Einklang von Geist und Natur. Doch als sich die große Leere in den Herzen der Menschen breit machte, teilten die Götter das Land in etliche kleine Inseln und sperrten die Leere in ein Verließ, das sich jenseits dieser Welt befindet. Das Ungeheuer droht nun jedoch aus seinem Gefängnis auszubrechen. Es liegt an der Heldin Auk, das Verderben aufzuhalten und gleichzeitig herauszufinden, was eigentlich damals mit dem Land der Götter und den Menschen passiert ist.

AER - Auk und ihre Laterne

 

Da ist ein Schatten in den Herzen aller Menschen, er heißt: Leere

„Weißt Du, Auk, in früheren Tagen, vor der großen Teilung, waren die Lande hier noch ganz anders als heute…“ – mit dieser Botschaft als einer der ersten Sätze beginnt unser Spiel. Die Ältesten bauten damals drei Tempel im Land der Götter, deren majestätische Hallen wir im weiteren Spielverlauf alle besuchen werden. Die Vorfahren Auks und des Volks im Lande der Götter verursachten durch eine immer stärker werdende, der Leere ihrer Herzen entspringende Gier die von allen genannte „große Teilung“. Die Götter spalteten das Land in viele Inseln, die nun wie einsame Hafen nebeneinander in den Wolken schweben. Wissentlich, dass diese dunkle Macht die Herzen der Menschen nicht länger vergiften dürfe, sperrten die Götter die Leere ihrer Herzen in ein Gefängnis, ins Zwielicht jenseits dieser Welt. Kein Mensch sollte es je erreichen und die Leere auch nie mehr aus ihm ausbrechen können. Doch genau dies droht nun zu geschehen. Die Leere ist wieder erwacht, hungriger denn je, mit dem Ziel alles zu verschlingen, was von der Welt noch übrig ist.

Eine Priesterin namens Karah sandte damals in einem Leuchtturm ihre Gebete an die Götter und fand so die Antwort auf die Frage, wie sie ihre Leute vor der großen Verheerung retten könne. Sie erhielt eine Laterne, deren Licht die Menschen im Land der Götter vor den damaligen Gefahren beschützte und sie letztlich aus der Dunkelheit führte. Und so wurden alle, die gerettet werden konnten, zum Volk des Himmels.

Dieses Licht wandert in AER in den Besitz der Heldin Auk, die sich im Übrigen in einen Vogel verwandeln und durch die Lüfte gleiten kann. Viele Jahre später soll sie nun abermals das Volk des Himmels vor der dunklen Bedrohung retten. Karah versiegelte damals die drei Tempel des Landes und verbarg in jedem einen Teil jenes Siegels, das den Weg zum Verließ öffnen würde, in dem die Götter die große Leere verbannt hatten. Um die Geschichte ihrer Vorfahren vollends zu begreifen und den Weg ins Zwielicht zu finden, wandern und fliegen wir mit Auk durch ihre Welt, in der lediglich noch Ruinen und helle Schatten aus einer anderen Zeit an die Geschichten erinnern, die sich einst im Land der Götter zugetragen haben.

Das Licht ist der Schlüssel, der Auk ins Zwielicht führt. Aber wird sie es schaffen, die Geschichte ihrer Herkunft zu begreifen und die Leere aus den Herzen der Menschen für immer zu verbannen?

AER - Auk betet

AER überzeugt – vor allem optisch

Ich denke, ich greife nicht vorweg, wenn ich sage, dass AER: Memories of Old vor allem durch seine wunderschöne Optik gewinnt. Sicher gibt es auch schon Spieler unter euch, denen dieser ganze Polygonen angehauchte Stil mittlerweile zu den Ohren bzw. Augen raushängt – ich persönlich kann mich daran aber gar nicht satt sehen, sofern das Design meinen ästhetischen Ansprüchen gerecht wird. Und das schafft AER. Der Indietitel bietet mir mit seiner Low-Poly-Optik nicht zu viel, aber auch nicht zu wenig optische Details an, spielt gekonnt mit Farbnuancen, Licht und Schatten und kreiert so für mich sehr stimmungsvolle Momente. Ich finde es toll, wie man sich von der farbenfrohen, hellen Welt, dominiert von Blau, Grün und Weiß, im nächsten Moment in einer dunklen Höhle wiederfindet, in der Violett, Saphirgrün und ein warmes Dunkelorange die Vorherrschaft genießen. Ich lasse mich gerne von tanzenden Lichtern verzaubern oder beim Flug durch die Lüfte von den vielen Farben der Inseln im Land der Götter überraschen.

AER - Vogel-Auk im Schneegebiet

Starke Story, kleine Defizite im Gameplay

Für mich ist die Geschichte hinter Auk und ihrer Welt, ihren Vorfahren und den Geistern einer früheren Welt nicht nur bezaubernd zu verfolgen, sondern auch sehr leicht zu verstehen. Keine verwirrenden Verschwelungen einzelner Erzählstränge, keine unzähligen Sidequests, die mir die Hauptstory verwaschen. AER: Memories of Old bietet mir die Storyline betreffend ein lineares Gameplay mit der gleichzeitigen Freiheit zu jeder Zeit dorthin fliegen zu können, wo immer ich möchte.

Womit wir aber schon bei einem der drei kleinen Kritikpunkte wären, die ich an dem Game äußern muss. Das Fliegen macht unglaublich viel Spaß, aber: die Orientierung dabei zu bewahren ist ziemlich schwer! Fliegt man immer nur geradeaus mit ruhigen Kurven nach rechts und links ist alles kein Problem. Durchquert man aber eine Wolke und wird in eine (zugegeben sehr cool aussehende) „Tunnelanimation“ gelenkt, wagt man Sturzflüge und Höhenschübe, dann verliert man doch recht schnell den Überblick. Wo muss ich jetzt noch mal hin? Moment, habe ich diese Insel da schon mal gesehen oder war das vielleicht doch eher die da hinten? Zum Glück ist das aber wirklich nur ein kleiner Wermutstropfen, denn das Fliegen und Gleiten mit Vogel-Auk macht so viel Spaß, dass man sich gern etwas länger mit der Suche nach dem richtigen Weg beschäftigt.

AER hat des Weiteren kein Questmenü. Das bedeutet: Gut zuhören, wenn die NPC’s mit euch reden! Nach jedem gemeisterten Spielabschnitt, bekommt Auk von einem der göttlichen Tiergeister des Landes verraten, in welche Himmelsrichtung sich ihre Reise fortsetzen solle. Meine Empfehlung: Entweder aufschreiben oder ohne Umwege dorthin fliegen. Auf keinen Fall vorher das Spiel beenden, denn ihr wisst ansonsten beim nächsten Spielstart sicher nicht mehr, wohin ihr als nächstes fliegen müsst.

Jeder Tempel birgt übrigens einige Rätsel, die ihr meistern müsst, bevor ihr an das jeweilige Siegelfragment gelangen könnt. Anders als ich in meiner Preview nach der letzten gamescom vermutet oder gehofft hatte, stellt sich heraus, dass die Rätsel leider genauso einfach bleiben, wie im dort gesehenen Spielabschnitt. Wirklich schade, mir als Knobelfan hätte das den letzten Schritt in Richtung überdurchschnittliche Begeisterung für das Spiel recht leicht gemacht.

AER - Auk im Tempel

Wagt den Höhenflug!

AER ist definitiv ein Spiel, das jeden Indie-Fan begeistern und vor Entzückung in die Lüfte heben kann. Nicht nur durch das wunderschöne Visual Design; die Optik geht Hand in Hand mit einer zwar kurzen, aber sehr eingängigen und ebenso schönen Story einher. Klar, die Rätsel sind wirklich alles andere als schwer zu knackende Nüsse, darauf kommt es in AER meiner Meinung nach aber auch letztendlich nicht an. Das Spiel ist einfach Genuss und Entspannung pur – eine einfache, leicht nachvollziehbare Geschichte, eine Protagonistin, die sich mit Anmut und Grazie zu Land wie in der Luft bewegt, ein Gefühl von unendlicher Freiheit, wenn man sich auf ihren Schwingen durch und über die Wolken tragen lässt. Genau das ist es, was man von AER erwarten kann und sollte und genau das ist es auch, was das Game für mich zu 100% abliefert. Nach dem ein oder anderen nächsten anstrengenden Arbeitstag, werde ich mich sicher mal wieder in das Land der Götter begeben und versuchen, die letzten in der Welt versteckten Geheimnisse über die Geschichte hinter Auk und ihre Vorfahren herauszufinden. Übrigens denke ich, das Ende des Spiels lässt viel interessanten Raum für Interpretationen – falls ihr euch in AER: Memories of Old auf Auks Abenteuer begeben solltet, würde ich mich freuen, mich mit euch darüber auszutauschen.

AER: Memories of Old erscheint am 25. Oktober 2017 für PlayStation®4, Xbox One™, PC, Mac und Linux.

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