Doom Retro Games Show

Retro Games Show – Doom (1993)

Retro Spiele sind für uns zeitlos. Ob eine Woche, oder zwei Jahrzehnte alt – es sind zwar Spiele aus der Vergangenheit, haben aber einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen. Ob dieser berechtigt oder unberechtigt, gut oder schlecht ist sei erstmal dahingestellt. Uns wird immer wieder schmerzlich bewusst, dass wir viele „Klassiker“ selbst noch gar nicht gespielt haben. Sei es aufgrund unseres Alters oder einfach aufgrund der fehlenden Zeit. Diesen Umstand wollen wir nun ändern. 

In dieser Artikel-Reihe möchten wir uns gemeinsam mit Euch auf eine Reise in die Vergangenheit begeben. Wir wollen Spiele erleben, die ihrer Zeit voraus waren, die bis heute als Klassiker gelten und noch heute Einfluss auf die Entwicklung von Spielen nehmen. Was haben wir verpasst? Sind manche Spiele vielleicht zu Recht an uns vorbei gegangen? Und was uns brennend interessiert: Begeistern die Knaller von damals auch in der heutigen Zeit noch?

 

Doom-logo

Der Ego-Shooter. Kein Genre musste annähernd viele Hetzkampagnen über sich ergehen lassen, wie die bei vielen Leuten beliebten First-Person-Titel. Trotzdem haben die Ego-Shooter es geschafft, den Ruf als „Killerspiele“ weitestgehend abzuschütteln und zu einer beliebten und geachteten Form des kompetitiven Wettstreits aufzusteigen. Die Call of Duty Championships füllen jährlich die Hallen und locken tausende Zuschauer vor die Bildschirme, Counter-Strike: Global Offensive stellt das Highlight der ESL One dar.

Die Pioniere der First-Person-Shooter waren natürlich deutlich bescheidener, an Online-Gefechte war 1993 noch nicht zu denken. In aber eben diesem Jahr erschien ein Meilenstein des Genres, der sowohl im Bereich Grafik als auch von der Geschwindigkeit des Gameplays her völlig neue Maßstäbe setzte: Doom. Wenige Monate nach Release auf den Index gesetzt, konnte der Titel in Deutschland lange Zeit nur unter der Ladentheke verkauft und somit auch auf keinen Fall öffentlich beworben werden. Seit 2011 können wir Doom wieder erwerben, beispielsweise als Ultimate Doom (sämtliche Level in einem Paket) auf Steam, wodurch wir auch in der heutigen Zeit noch Jagd auf fiese Dämonen und zombifizierte Marines machen können.

Aber macht das überhaupt noch Spaß? Ist Doom wirklich so schnell und ist die Grafik nicht schon arg in die Jahre gekommen? Dieser Frage bin ich auf den Grund gegangen. Natürlich bin auch ich verwöhnt von 1080p und 60fps. Mit Hilfe eines Freundes installierte ich zdoom und einen 1080p-Mod, das HUD wurde ganz geringfügig abgeändert, zudem wechselte ich auf einen von echten Gitarren eingerockten Soundtrack und dann wagte ich einen Sprung in die Vergangenheit. Mein Kumpel versicherte mir als Kenner des Originals, dass sich an der Spielerfahrung absolut nichts ändern würde. Soviel sei vorweg genommen: ich hatte durchgehend um die 800 Bilder pro Sekunde.

Doom-1993_1

Nach kleineren Tweaks der Optik erstrahlt Doom noch heute in feinster Auflösung.

Die Story von Doom ist schnell erzählt und kann offen gesagt vernachlässigt werden. Wir schlüpfen in die Uniform eines Marines auf dem Mond Phobos, der sich aufgrund verschiedener fehlgeschlagener Experimente mit Höllenkreaturen herum schlagen muss. Durch die verbockten Tests öffnete sich ein Tor zur Unterwelt, durch das sich allerhand Dämonen und andere Kreaturen Zugang zu unserer Welt verschaffen konnten. Unser Ziel ist es natürlich, sie in die Schranken zu weisen.

Beim Spielstart haben wir die Wahl aus vier verschiedenen Episoden: Knee-Deep in the Dead, The Shores of Hell, Inferno oder Thy Flesh Consumed. Diese sind in kleinere Abschnitte unterteilt, mit welcher Episode wir beginnen steht uns von Beginn an frei. Bei den Schwierigkeitsgraden wurde mir empfohlen, direkt bei dem zweitschwersten einzusteigen, Ultra-Violence. Sonst fehle dem Spiel schlicht die Herausforderung. Nachfolgend eine Auflistung der Auswahlmöglichkeiten, von leicht nach schwer:

  • I’m too young to die
  • Hey, not to rough
  • Hurt me plenty
  • Ultra-Violence
  • Nightmare

Ohne weitere Erklärungen oder Umschweife schmiss mich das Spiel unverzüglich ins Geschehen. Direkt bei Beginn fällt das hohe Tempo auf, gegen das jedes Call of Duty einpacken kann. Im ersten Raum gibt es die Möglichkeit, sich mit der Steuerung vertraut zu machen. Bewegt wird sich genretypisch per WASD, die Maus kontrolliert die Sicht. Allerdings nur auf einer geraden Linie um 360 Grad, nach oben und unten schauen ist in Doom nicht möglich. Ebenso wenig kann gesprungen oder gar per Kimme und Korn gezielt werden. Sobald ich diese Umstände verinnerlicht hatte, wagte ich mich durch die erste elektrische Tür.

Doom_Soldaten

Schon die ersten Soldaten zeigen sich mehr als schießwütig.

Im ersten Raum warteten direkt zwei verrückt gewordene Marines, die ein paar ordentliche Salven aus meiner Pistole zu spüren bekamen und sich schreiend zu Boden begaben. Ein Blick auf die Lebensanzeige verrät, zu leichtsinnig sollte nicht in einen Kampf gegangen werden, sonst sind die Lichter schnell aus. Das Ziel von Doom ist klassisch: töte oder werde getötet. Während wir uns Anfangs lediglich mit einer Pistole zur Wehr setzen können, werden uns später weitaus kräftigere Schießprügel in die virtuelle Hand gedrückt, wie zum Beispiel eine Shotgun oder gar eine Energiewaffe.

Doom spielt sich unglaublich schnell und ist speziell auf höherer Schwierigkeit knallhart. Wir müssen lernen, wo welcher Gegner lauert und welcher Dämon welches Verhaltensmuster an den Tag legt. In den sehr labyrinthmäßigen, aber stets gut designten, Levels sind überall Geheimräume versteckt, die durch das simple Drücken eines Schalters oder den Schuss auf die richtige Wand geöffnet werden. Sollten wir ein Geheimnis entdeckt haben, werden wir mit Munition, einer neuen Waffe oder Rüstung belohnt. Der treibende Soundtrack unterstützt das hohe Tempo perfekt und schon bald rannte ich von Raum zu Raum als hätte ich nie etwas anderes getan.

Grafisch ist Doom aus heutiger Sicht freilich nicht mehr taufrisch. Nachdem die Computer von 1993 bereits damit zu kämpfen hatten die Umgebung in 3D darzustellen, blieb nichts anderes übrig als die Gegner weiterhin als Sprites zu visualisieren. Diese bleiben aber nun mal auch in 1080p was sie sind: relativ simple 2D-Grafiken. Umso unterhaltsamer ist aus heutiger Sicht die damalige Entscheidung der BPjM Doom auf die Indizierungs-Liste zu setzen. Es sei zu gewalttätig, die Szenarien zu verstörend. Wenn wir das Spiel heute betrachten ist davon nicht mehr wirklich viel zu sehen. Natürlich fließt der rote Pixelsaft in Strömen, allerdings sind wir heutzutage schon weitaus Realistischerem begegnet.

Doom_Cacodemon

Das Grinsen des Cacodemon sollte nicht fehlinterpretiert werden.

Doom_Imp

Der berühmt-berüchtigte Imp.

Was aber noch heute so gut wie damals funktioniert ist die vom Spiel erzeugte Atmosphäre. Die Gegner sind allesamt extrem gut designt und ikonische Figuren wie der Imp oder der Cacodemon machen auch jetzt noch eine Menge her. Und wenn wir durch dunkle Gänge rennen, während der Soundtrack uns die Peitsche gibt und wir auf einmal von den flammenden Lost Souls umzingelt sind, dann melden sich die Nackenhaare zur Standing Ovation!

Wie also lautet mein Fazit zu Doom aus dem Jahre 1993? Es ist schlicht grandios und ein verdienter Meilenstein der Spielgeschichte. Sicher, ich erlebe es nicht zu 100 Prozent in seiner Urform. Und ja, aus heutiger Sicht sind wir technisch weitaus mehr gewöhnt. Aber was Doom heute wie damals schafft, ist ein unglaubliches Tempo aufzunehmen, während eine bedrohliche Atmosphäre geschaffen wird, die manch moderner Shooter nur zu gerne kreieren würde. Für jeden Genre-Freund kann ich also die uneingeschränkte Empfehlung aussprechen, Phobos von dem Dämonen-Abschaum zu säubern, der den Mond so unsäglich heimsucht!