Wo sind denn alle hin? ­‒ Everybody's Gone to the Rapture

Das Entwicklerstudio The Chinese Room kommen ursprünglich aus der Modding Szene. Sie haben lange an Half Life 2– und Doom 3-Mods gebastelt, bis sie aus der HL2-Mod das Spiel Dear Esther gemacht haben. Daraufhin wurde direkt an Amnesia: A Machine for Pigs gearbeitet, nach dessen Fertigstellung der spirituelle Nachfolger zu Dear Esther entwickelt wurde. Dieser Nachfolger ist Everybody’s Gone to the Rapture. Das Adventure sollte ursprünglich für den PC erscheinen, allerdings hat sich Sony Exklusivrechte für die Playstation 4 gesichert.

Story

Everybody’s Gone to the Rapture spielt in einem kleinen Englischen Dorf namens Yaughton in Shropshire, das in fünf Gebiete unterteilt ist. Der erste Storyfetzen, der dem Spieler vor die Füße geworfen wird, spielt vor einer Sternenwarte. Man hört dem Ehepaar Dr. Katherine Collins und Dr. Stephen Appleton Boyles zu, die über eine besondere Entdeckung am Nachthimmel sprechen. Dass diese Entdeckung den Untergang der Menschheit darstellt, wissen sie zu diesem Zeitpunkt noch nicht.

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Da das Spiel von der Story lebt, wäre es fatal, irgendetwas davon zu spoilern. Das einzige, was der Spieler schnell bemerkt: Alle Menschen sind weg. Vögel liegen tot auf dem Boden, Häuser tragen ein Schild mit dem Hinweis „Quarantäne“ und Häusertüren stehen einfach offen, sodass die Eigenheime problemlos betreten werden können.

Dennoch lernt man einige Charaktere kennen, die nicht durch ausmodellierte Charaktermodelle dargestellt werden, sondern aus geheimnisvollen Lichtpartikeln, die während einer Storysequenz die Personen abbilden. Somit hat man nie ein Gesicht vor Augen. Das hat irgendwie auch etwas Gutes: Man fantasiert während des Spielens herum, wie die einzelnen Menschen wohl aussehen mögen. Als Pluspunkt kann man diese Tatsache allerdings nicht bezeichnen.

Weshalb all die Menschen verschwunden sind und ob es eine Möglichkeit gibt, sie irgendwie zurück ins Dorf zu bringen, erfährt der Spieler bei einer Spielzeit 4-6 Stunden.

 

Gameplay

Puh.

Es fällt mir schwer, bei den Mechaniken von EGttR von Gameplay zu sprechen. Dennoch ist es mehr als ein Film und ich weigere mich auch, dem Spiel das Gameplay abzusprechen. Man hat sehr wenige Interaktionsmöglichkeiten. Man kann durch die offene Spielwelt laufen, man kann Radios oder Telefone dazu bringen, Audiologs abzuspielen, man kann Türen und Tore öffnen. Trifft man auf einen Lichtkegel, muss der Spieler die Gyroskop-Steuerung des PS4-Controllers nutzen, um ihn hin und her zu bewegen. Irgendwann vibriert der Controller und die Lichtkugel formt sich zu einigen Personen, die dann ein wenig von der Story preisgeben. Okay. Die Benutzung des X-Buttons, um mit Radios und Türen zu interagieren verstehe ich ja noch. Aber WARUM ZUM TEUFEL sollte ich mich aus meiner bequemen Zocker-Position begeben und den Controller unkontrolliert nach links und rechts bewegen? Fühlt sich fast an wie Wii-Fit. Nur, dass sich die Lichtkugel sehr schnell geschlagen gibt und es somit unnötig wird, irgendwas mit dem Gyrossensor zu tun.

Was man vom Spiel nicht gesagt bekommt, ist: Man kann rennen. Die erste Spielstunde verbringt man eventuell noch mit dem langsamen Tempo seiner Spielfigur. Irgendwann nervt die Spitzengeschwindigkeit von 0,1km/h aber recht stark. Vor allem, weil man stets das Gefühl hat, irgendetwas noch nicht entdeckt zu haben und deshalb viele Strecken doppelt läuft. Deswegen mein Tipp: Schaut direkt alles durch.

Nach kurzer Recherche auf der Videospielseite meines Vertrauens konnte ich erleichtert feststellen, dass der R2-Trigger genutzt werden kann, um die Spielfigur etwas schneller durch die Spielwelt zu bewegen. Allerdings braucht die Trantüte locker 2 Sekunden, um auf Tempo zu kommen. Doch diesem Umstand kann ich auch etwas Gutes abgewinnen: Es passt halt unglaublich gut zur Atmosphäre (bzw. macht sie aus). Man soll halt nicht durchrushen. Man soll sich jeden Gegenstand anschauen, denn dieser liegt dort nicht ohne Grund. Und das habe ich dann auch getan.

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Schluss

Everybody’s Gone to the Rapture ist ein sehr minimalistisches Spiel, das viel Wert auf Erzählung und Erkundung legt. Man fühlt sich sehr verlassen, hat sogar manchmal das Gefühl, ein Horror-Adventure zu spielen. Die Grafik macht einiges richtig, vor allem aus der Ferne betrachtet sehen die Gebiete unglaublich gut aus. Aus der Nähe fehlen dann doch ab und an ein paar Texturen.

Wer Lust auf ein sachtes, kaum herausforderndes Spiel mit einer sehr gut erzählten Story hat, wird mit EGttR sehr gut unterhalten. Durch die recht kurze Spielzeit sind die Gameplay-Mängel auch gut auszuhalten. Adventure-Fans werden Items und Rätsel vermissen, Action-Fans die Auseinandersetzung mit Gegnern und GTA-Fans die belebte Spielwelt.

Dennoch spreche ich meine Spielempfehlung aus, sei es aus ästhetischen oder erzählerischen Gründen.