Die Pokémon Company und die Microtransactions

Ja, ich liebe Pokémon. In meiner empfänglichsten Zeit als Kind bis hin zur Teenager-Ära haben mich die Pokémon Spiele stets auf Nintendos tragbaren Konsolen begleitet. Natürlich wurden mir die „neuen“ Pokémon irgendwann auch etwas zu verrückt. Oder ich wurde einfach weniger aufgeschlossen für Müllsack-Pokémon und Mega-Entwicklungen.

Es ist Nintendo bzw. der Pokémon Company immer schwerer gefallen, mir zu gefallen. Ich trage wunderbare Erinnerungen in mir, die dafür sorgen, dass stets eine Symphatie-Flamme in meiner Brust brennt. Allerdings reicht das Feuer allmählich nicht mehr aus, um mir wild einen 3DS mit allen Pokémon-Titeln zu bestellen. Ich freue mich, dass die Spiele immer noch gut ankommen, Nintendo hat mehr als einen guten Schnitt gemacht, was das Franchise angeht. Und damit meine ich nicht nur die Verkaufszahlen.

Doch wie bekommt man mich, den im Jahre 1991 geborenen René wieder dazu, mein Geld wieder in den großen Pokémon-Topf zu schmeißen?

Natürlich! Man drückt auf die Nostalgie-Drüse.

Vor einiger Zeit hat die Pokémon Company eine neue App für Smartphonebesitzer veröffentlicht, mit der man sehr schnell sehr viel Geld loswerden kann.

Mit der Pokémon Jukebox lassen sich sehr viele Soundtracks der längst nicht mehr aktuellen Pokémon Editionen abspielen. Also nicht direkt. Man muss sie natürlich vorher kaufen, damit man in den Hörgenuss kommen kann. Das finde ich auch gar nicht so schlimm, für Musik wird sowieso viel zu wenig Geld ausgegeben und die App installiert sich kostenfrei wie von selbst auf dem Telefon.

jukebox_special

Da sitze ich nun, freue mich auf den suizidgedankenfördernden Soundtrack aus Lavandia und muss feststellen: Der Song kostet 99 Cent! OK. Wenn ich nur diesen einen Song haben möchte und dann unglaublich glücklich bin, dann gebe ich dafür gern 99 Cent aus. Auch wenn er nur eine Minute lang ist und sich nach den ersten 15 Sekunden wiederholt.

Doch sollte ich die Lust verspüren, auch andere Songs hören zu können, dann muss ich JEDES MAL 99 Cent pro Song ausgeben. Auch wenn der „Song“ nur eine Fanfare und damit lediglich 25 Sekunden lang ist.

Ein OST eines Filmes oder Spiels kostet im Regelfall nicht mehr als 20€.
Wenn ich allerdings alle Songs aus der Jukebox-App kaufen möchte, werde ich locker über 150€ los. Die Rechnung ist natürlich ein bisschen fies, da es sich um die Soundtracks von 3 verschiedenen Spielen handelt. Also kann man 150€ nochmal durch 3 teilen. Dann ist man allerdings immernoch bei 50€ pro Soundtrack pro Spiel. Und es gibt KEINEN EINZIGEN Song, der länger als 2 Minuten ist.

Dazu kommt, dass manche Songs „nur“ 16 Bit Versionen der alten 8 Bit Versionen sind. Da zieht sich bei mir nicht nur eine Augenbraue hoch!

Man kann natürlich auch ganze Medleys kaufen, diese kosten dann nur 1,99€. Die Medleys sind nach Themen sortiert und beinhalten 5-10 Songs. Insgesamt günstiger, doch kauft man alle bisher verfügbaren Medleys, hat man immernoch nicht alle Songs zusammen.

Ich finde es erstaunlich, wie die Pokémon Company es geschafft hat, ein eigenes iTunes mit völlig wilden und ungerechtfertigten Preisen zu programmieren. Das Schlimme daran ist: Da draußen finden sich genug Fans, die sich damit zufrieden geben. Mich als alten Pokémon-Freund begeistert dieses Geschäftsmodell ganz und gar nicht.

Eine Nutzungsempfehlung des Pokémon-iTunes kann ich nicht aussprechen. Ich würde kein Geld dafür ausgeben, denn die Preise sind keinesfalls gerechtfertigt. Natürlich könnt ihr selbst entscheiden, wem ihr euer Geld in die Taschen werft. Doch jeder Kauf eines Songs über die Pokémon-Jukebox App beweist, dass das Geschäftmodell der Microtransactions funktioniert. Und genau da können wir als Endnutzer einfach mal „Nö“ sagen.

Ich spiele jetzt erstmal die Feuerrote Edition auf meinem GameBoy Micro, um ein wenig runterzukommen.

Quelle: Pokémon Jukebox Homepage