Angespielt – Cities: Skylines

Alles begann mit dem Super Nintendo. Als ich in den frühen 90er Jahren das erste Sim City auf der Heimkonsole ausprobierte, war es um mich und die Städtebau-Simulationen geschehen. Damals hatte ich zwar noch keine Ahnung von Stadtstrukturen und Straßenführung, trotzdem ließ mich das Spiel nicht los. Über die Jahre folgten das großartige Sim City 2000, Sim City 3000 und Sim City 4. Ja sogar Sim City Societies hat irgendwie Spaß gemacht! Mit dem neuesten Sim City kam dann die große Enttäuschung: Online-Zwang, kaputte Server und winzige Maps waren nur die Spitze des Release-Debakel-Eisbergs. Städtebau war für mich gestorben!

Die Ankündigung von Cities: Skylines brachte neue Hoffnung. Schafft der Entwickler Colossal Order das, was jahrzehntelang niemand geglaubt hat? Schmeißt Cities: Skylines alle Sim Cities vom Genre-Thron? Überfällig wäre ein Machtwechsel bereits seit langem! Dass die Jungs wissen, wie Städte funktionieren, haben sie bereits mit Cities in Motion eindrucksvoll bewiesen. Doch wissen sie auch, wie man eine Stadt baut? Ich habe es ausprobiert!

Am Anfang war der Strom

Bevor wir mit dem Entwurf unserer ersten Stadt loslegen, müssen wir uns für eine Karte entscheiden. Neun davon bietet uns das Spiel an. Weitere können aber problem- und kostenlos über den Steam Workshop heruntergeladen werden. Wem das alles nicht passt, der kann auch seine eigene Karte im mitgelieferten Editor erstellen. Der Clou an den gigantischen Maps: Zu Beginn ist nur ein kleiner Teil von Ihnen bebaubar. Weitere Teile müssen im Verlauf des Spiels freigeschaltet werden. Wer jetzt Angst hat, dass Ihm schon vorher der Platz ausgeht, den kann ich beruhigen. Selbst der kleinste verfügbare Teil einer Skylines Karte ist größer als die gesamte Spielwelt in Sim City.

Die Anfangsphase von Cities: Skylines verläuft immer gleich. Haben wir uns für ein schönes Plätzchen innerhalb der Baugrenze entschieden, verlegen wir die ersten Straßen. An ihnen können dann Wohn-, Gewerbe- und Industriegebiete ausgezeichnet werden. Nach und nach zieht es dann Bewohner in unsere Stadt, die auf den genannten Gebieten die entsprechenden Gebäude errichten. Später können wir außerdem dichter besiedelte Gebiete oder gesonderte Büro-Zonen anlegen.

SkylinesZonen

In Skylines können Einzugsgebiete nur in unmittelbarer Nähe einer Straße angelegt werden.

Kaum stehen die ersten Hütten unserer kleinen Stadt, stellen die Bewohner auch schon Forderungen: Strom und Wasser hätten sie gerne – verwöhntes Pack! Die Auswahl an Stromversorgern ist zu Beginn einer Runde sehr begrenzt, sodass wir lediglich zwischen einem Wind- und einem Kohlekraftwerk entscheiden können. Ersteres ist zwar relativ günstig, produziert dafür aber nur wenig Strom. Bei einer Flaute gehen außerdem in der ganzen Stadt die Lichter aus. Wir wählen daher das Kohlekraftwerk. Das ist zwar teuer, laut und verpestet die Umwelt, sorgt aber dafür aber zuverlässig für ausreichend Energie.

Fehlt noch das Wasser! Hier punktet Skylines mit einem ausgeklügelten System. Anstatt wahllos in der Stadt Wassertürme und Leitungen zu verteilen, greifen wir entweder auf ein benachbartes Gewässer zu, oder zapfen das Grundwasser an. Wir entscheiden uns für den anliegenden Fluss und setzen prompt eine Pumpe ans Ufer. Eine Infografik verrät uns daraufhin den Wasserstand des Flusses. Bauen wir an der selben Stelle weitere Pumpen, riskieren wir die Austrocknung des Wasserlaufs. Doch damit nicht genug! In Skylines geht es nicht nur darum für Frischwasser zu sorgen. Nein, auch das Abwasser will entsorgt werden. Dafür setzen wir neben unsere Pumpstation einfach noch ein Abwasserrohr um die gesammelte Brack-Suppe unserer Bewohner in den Fluss zu pumpen – Monty Burns lässt güßen. Dabei ist jedoch äußerste Vorsicht geboten. Wer sein Abwasser nämlich vor der Entnahmestelle für Frischwasser entsorgt, riskiert Krankheiten und Unzufriedenheit. Ein weiser Bürgermeister beachtet daher stets die Fließrichtung der Gewässer.

SkylinesWasser

Wehe dem Bürgermeister, der sein Abwasser ins Trinkwasser pumpt!

Allgemein macht das Herumspielen mit dem kühlen Nass in Cities: Skylines viel Spaß. Im Editor lassen sich schnell und einfach malerische Flussläufe oder lange Sandstrände erstellen. Wer mag kann im späteren Spiel außerdem gigantische Staudämme bauen, die ganze Metropolen mit Strom versorgen – so lange sie nicht brechen!

Vom Weiler zur Metropole

Sind alle Wohn-, Gewerbe- und Industriegebiete mit Wasser versorgt, geht es direkt daran die nächsten Forderungen zu tilgen. Generell gilt es dabei den sogenannten Bodenrichtwert stets so hoch wie möglich zu halten. Das machen wir indem wir Parks bauen, für weniger Lärm und Schmutz sorgen und Zugang zu Bildungseinrichtungen ermöglichen. Außerdem errichten wir Feuerwehrzentralen, Kliniken und Polizeireviere. So erschaffen wir ein Gebiet mit hohem Bodenrichtwert und eine Umgebung in der man gerne lebt und arbeitet.

Cims (so heißen übrigens die Bewohner in Cities: Skylines), die sich in den beliebten Gebieten niederlassen errichten noch prachtvollere Gebäude. In gering besiedelten Wohngebieten entstehen so beispielsweise schicke Villen, wohingegen in der dichten Innenstadt riesige Wolkenkratzer in den Himmel ragen. Das sorgt nicht nur für einen schöneren Anblick der Stadt, solch hochstufige Gebäude spülen gleichzeitig mehr Steuern in die Stadtkasse.

Haben wir genügend Einwohner in unsere Stadt gelockt, erreichen wir den ersten Meilenstein. Dadurch schalten wir neue Gebäude, Dekorationen oder Richtlinien frei. Außerdem dürfen wir unsere Stadtgrenzen erweitern und neue Gebiete der Karte erschließen. Eine coole Idee, die immer wieder für neue Motivation sorgt.

SkylineMeilenstein

Unser erster Meilenstein! Als Belohnung warten unter anderem neue Servicegebäude. Später schalten wir sogar einen Weltraum-Lift frei!

Bei den genannten Richtlinien handelt es sich übrigens um eine Art Erlass. Mit einem Klick sorgen wir beispielsweise für kostenlosen Nahverkehr oder starten eine Bildungsinitiative. Skylines bietet viele solcher Verwaltungsoptionen. Neben den Richtlinien können wir verschiedene Gebäudetypen unterschiedlich hoch besteuern oder Industriegebiete spezialisieren.

Gut geplant ist halb gebaut

Verkehrsenthusiasten kommen beim Bau einer Stadt voll auf ihre Kosten. Egal ob Bus, Bahn, U-Bahn, Flugzeug oder Schiff: Skylines hat sie alle! Und das ist auch bitter nötig, denn wer nicht von vornherein plant und überlegt, riskiert spätestens ab 100000 Einwohnern den Verkehrsinfarkt. Das sorgt nicht nur für unzufriedene Cims, auch Feuerwehr, Polizei und Krankenwagen erreichen dadurch Brennpunkte nicht mehr rechtzeitig.

SkylinesMetropole

Auf Steam prahlt ein Spieler mit seiner 600000 Einwohner Metropole – zu Recht!

Zum Glück gibt es eine übersichtliche Infokarte, die einem, neben vielen anderen Informationen, auch die Verkehrsdichte der einzelnen Straßen anzeigt. So kann man die Blechlawinen verhindern, bevor es zu spät ist. Dazu legt Skylines einem allerhand Werkzeuge in Form von unterschiedlichen Straßentypen in die Hand. So bauen wir unter anderem Stadtautobahnen, Kreisverkehre oder riesige Kleeblattkreuzungen.

SkylinesNahverkehr

Hier richten wir mehrere Buslinien ein, um unsere Straßen zu entlasten.

Um den öffentlichen Nahverkehr kümmern wir uns nicht, indem wir wahllos Haltestellen in die Stadt pflanzen. Wer eine Buslinie errichten will, merkt sofort, dass hier die Macher von Cities in Motion am Werk waren. Haltestellen müssen gezielt in den unterschiedlichen Stadtvierteln platziert und anschließend miteinander verbunden werden. Ja sogar die Busse können den unterschiedlichen Linien nach eingefärbt werden. Das sieht nicht nur cool aus, sondern sorgt auch für eine bessere Übersicht im Großstadt-Getümmel.

Fazit

Ich hätte es nicht für möglich gehalten, aber Cities: Skylines ist für mich mein neuer Genre-König beim Städte bauen. Es macht einfach unglaublich viel Spaß seiner Stadt beim Wachsen zuzuschauen und dabei auf die verschiedenen Probleme einzugehen. Noch dazu sieht das Spiel toll aus! Zwar hätte ich mir noch einen Tag- und Nachtwechsel gewünscht, durch den grandiosen Mod-Support ist dieser aber wahrscheinlich nur noch eine Frage der Zeit.

SkylinesEgo

Dank einer neuen Mod können Städte jetzt sogar in der Egoperspektive erkundet werden.

Ich kann jedem Genre-Fan nur wärmstens empfehlen, Skylines auszuprobieren! Das Spiel gibt’s für 29,99€ entweder via Steam oder als Box-Version beim Händler Eures Vertrauens. Käufer der Box-Version erhalten fünf zusätzliche Gebäude, mit denen man die Stadt aufhübschen kann. Colossal Order ist übrigens fleißig dabei, das Spiel weiter auszubauen: erst kürzlich kündigte man einen kostenlosen DLC an, der den Bau von Tunneln ermöglicht. Auch ein Mehrspieler-Modus könnte laut dem Entwickler in ferner Zukunft noch implementiert werden.

Wenn Ihr Fragen zum Spiel habt, stellt Sie mir gerne in den Kommentaren. Viel Spaß beim Bauen und Planen!