Die Leiden des jungen Gamers

Wir haben es im Podcast schon einmal erwähnt, viele nutzen es als Ausrede und wieder andere haben damit gar kein Problem:  Disc-Wechseln ist super nervig. Was ist nur los mit uns? Früher pustete man fleißig in Kassetten, nahm das untere Ende seines T-Shirts und schmierte auf CDs herum (im besten Fall hinterließ man Kratzer) oder startete die Konsole zwei bis drei mal neu, weil man die falsche Memory-Card eingesteckt hatte. Heute sieht das ganz anders aus.

Ich sitze vor meiner XBOX 360. Fernseher an via Fernbedienung, XBOX an via Controller. Halt. Batterien leer, der XBOX-Button will einfach nicht mehr leuchten.  Also verschaffe ich mir Abhilfe, indem ich genervt mein Ladekabel heraushole, es via USB an die Box schließe und das andere Ende an den Controller stecke. Mist. Das Kabel ist ca. 15cm zu kurz, damit ich meine gemütliche Pose auf meinem gebrauchten 15€-IKEA-Sofa einnehmen kann. Fast hätte ich die Box aus dem Schrank gerissen, da schnappe ich mir schon meinen Schreibtischstuhl und setze mich etwas näher an den TV.

So. 3 Minuten vergangen. Da hätte ich das erste Level schon längst abgeschlossen. Das erste Level… doch von welchem Spiel? Natürlich liegt im Laufwerk lediglich FIFA World Cup 2014, habe ich doch viel mehr Bock auf einen Shooter oder Action-Adventure. Zu Faul, um aufzustehen, da ich ja endlich sitze, durchstöbere ich meine digitale Spielebibliothek. Indiegames, Arcadetitel und Vollversionen. Alles schonmal gespielt. Eigentlich sollte ich aufstehen, um nach einer Disc zu greifen, um endlich das zocken zu können, worauf ich Bock habe. Doch anstattdessen starte ich flott NHL Arcade, freu mich eher semi über meinen Sieg gegen den Computer (immerhin auf schwer!), drücke den XBOX-Button und wechsle zu Trials (Ich habe schon alle Rekorde meiner Freunde gebrochen) und bin wieder kurz davor mit einem lauten Kampfschrei aufzustehen und Bioshock: Infinite einzulegen.

Aber ey: Aufstehen, Hülle aufmachen, Spiel rausholen, Laufwerk öffnen, Spiel einlegen, warten bis die Disc geladen wurde, Spiel anwählen, Schwarzbild, Ladezeit und DANN erst anfangen? Nö. Nicht mit mir.

Ich spiele jedes meiner Festplattenspiele für maximal 10 Minuten. Mount Your Friends, Hidden in Plain Sight, Banjo Tooie. Insgesamt bin ich eher unzufrieden, da ich meinen Stapel der Schande immernoch nicht abarbeite, sondern entweder Gurken oder Games, die ich in- und auswendig kenne zum hundertsten Mal daddel.

Was ist los mit mir? Was ist los mit uns Gamern? Jammern die einen noch rum, dass Digital Pruchases den gesamten Gaming-Flair zerstören, sitze ich hier und kriege es nicht geschissen eine Plastikscheibe ins Maul der Box zu stopfen? Sobald ich meinen GameCube anschließe, ist es doch auch kein Problem! Da wechselt man eben von Viewtiful Joe zu Metroid Prime zu Super Smash Bros Melee.

I DON’T GET IT.

Philosophieren wir einmal herum: Ich schätze die Misere liegt in der Multifunktionalität einer modernen Konsole. Die Möglichkeit zu haben, sich die Zeit mit tausend kleinen Spielen zu vertreiben, sich Videos anzuschauen oder Musik herunterzuladen, gibt uns genug kurzweilige Gelegenheit, das nervige „Aufstehen und Disc-Wechseln“ durch „dann probier ich erstmal das hier aus“ zu ersetzen. „Das hier“ sind dann all die kleinen Dummheiten, die einem entweder nur einen mäßigen Videospielgenuss verschaffen, weshalb man im Nachhinein unzufrieden mit seiner Gaming-Session ist, oder aber unnötig viel Geld kosten, da man einen neuen Film in SD streamt. OH MEIN GOTT – First World Problems.

Wie viele Stunden habe ich schon damit verschwendet rumzudaddeln und nicht einfach Bishock zu spielen? So viel Zeit geht für den ganzen Nebenbei-Kram drauf. Und ich kann meinen inneren Schweinehund einfach nicht überwinden. Das sind wie kleine Süßigkeiten. Man probiert mal hier und mal da, aber das Nahrhafte Mittagessen lässt man aus, da man ja kochen müsste.

Mir fällt es viel leichte Spiele auf alten Konsolen zu spielen, da mir dort gar nichts anderes übrig bleibt, als das Hauptspiel zu beginnen. Doch selbst dann, wenn ich Bock auf einen Vollpreistitel auf einer alten Konsole habe, spiele ich eher Kleinkram auf dem Handy. Ist flott installiert, flott geöffnet, flott deinstalliert. Brauchen wir Menschen diese Mini-Portionen an Nebentätigkeiten? Wo bleibt meine Motivation für große Projekte?

Wie ergeht es Euch? Wechselt Ihr noch fleißig Eure Spiele-Discs oder kauft ihr alles digital und habt 3 Festplatten randvoll mit Videospielen?