Spiele zum kleinen Preis – Papers Please

Wenn ihr gerade nicht die nötige Kohle für die größten Kracher von Microsoft übrig habt, müsst ihr nicht verzweifeln und euren Spieltrieb verlieren.

Ich empfehle Euch einmal die Woche eine echte Videospielperle für wenig, oder gar kein Geld.

Bevor ihr also vergesst, wieso Videospiele das größte sind, denkt daran, dass “Free to Play” nicht immer schlecht sein muss.

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Stell Dir vor Du lebt in einem fiktiven, totalitären Staat namens „Arstotzka“. Als braver und treuer Bürger Arstotzkas  nimmst Du den Job, den Dir Vater Staat vorschreibt freudestrahlend an und freust Dich über die Möglichkeit Deinen Dienst im Namen der Regierung und zum Wohle der Allgemeinheit zu tun.

Papers Please steckt den Spieler in die Rolle eines Namenlosen Bürgers von Arstotzka. Der Spieler übernimmt die Arbeit eines Zöllners am Grenzübergang und entscheidet darüber, ob die Menschen passieren dürfen, oder nicht.

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Das Spiel stellt, anders als die Call of Duties dieser Welt nicht einen „ganz besondern“, sondern einen „ganz gewöhnlichen“ Menschen, in einer erschreckend, grausamen, aber banalen Situation dar. Es ist ein Job, den jeder von uns, ohne großes Vorwissen erledigen könnte, ein Job, der banaler kaum sein könnte. Als Zöllner in Papers Please hat der Spieler keine große Aufgabe, aber eine große Verantwortung.
Papers Please steckt den Spieler nicht in die Rolle eines  Zöllners in einem demokratisch und menschlich organisierten Staat, sondern in einem totalitären und strengen Staat (ähnlich der Ostblockstaaten in der UDSSR).

Das besondere an dem Gameplay ist, dass der Spieler jede einzelne Aktion, die es an einem Grenzübergang zu erledigen gibt akribisch genau mit der Maus ausführen muss. Das wichtige dabei ist, dass alle Aktionen mit absoluter Genauigkeit und Effizienz ausgeführt werden müssen!

Es gilt Ausweise auf ihre Korrektheit zu überprüfen,
eben genannte Ausweise, entsprechend ihrer Natur zu deklarieren (positiv, oder Negativ abstempeln),
weitere Papiere in Verbindung mit den Ausweisen zu überprüfen,
gegebenenfalls Gegenmaßnahmen, gegen nicht korrekte Dokumente und die Träger in die Wege leiten…
Es gilt niemals zu vergessen, dass Sie die Arstotzkische Grenze sicher machen Genosse!
Entschuldigung, ich habe mich wohl doch etwas mitreißen lassen.

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Banale Entscheidungen in einem banalen Leben machen Papers Please nur in Kombination mit der Tragweite der eigenen Entscheidungen relevant und interessant.

Ob es eine Mutter ist, die ihre Papiere gefälscht hat, um ihren Sohn wiederzusehen, ein schlecht getarnter Terrorist, oder ein Mann, der einen Tag nach Ablauf seines Visums versucht nach Arstotzka einzuwandern, der Spieler übernimmt teilweise die Entscheidung über Leben und Tod.
Anders, als in knallharten Action Spielen, die dem Spieler das kollektive Schicksal der Menschheit in die Hand drücken, gibt Papers Please dem Spieler die Kontrolle über das Schicksal verzweifelter und einzelner Menschen.

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Natürlich muss ein Grenzer von irgendetwas seine Miete, Heizung und Essen bezahlen. Durch den zweiten Management Aspekt von Papers Please, eine Familie, die ernährt und gepflegt werden muss, bekommt das Spiel eine besondere Würze.
Wenn der Tag im Grenzhäuschen beendet ist, wird abgerechnet: Der Spieler wird für jede falsche Entscheidung am Grenzübergang mit einer Geldstrafe bestraft und mit der normalen Bezahlung entlohnt.
Da die Lebensbedingungen in Arstotzka nicht die besten sind, geht das Gehalt eigentlich jeden Tag komplett für Essen, Medizin, Miete und Heizung drauf.

Der Spieler hat also einen kleinen, gemeinen Anreiz ein guter Grenzer und schlechter Mitmensch zu sein, da der eigene Sohn sonst womöglich verhungert.

Von Makro auf Mikro sollte es in der Unterschrift zu diesem Spiel heißen, das dem Spieler eine willkommene Abwechslung zum stumpfen Einheitsbrei bietet.
Durch die Übersättigung diverser Endzeit-, Zombie-, und Weltallszenarien in Videospielen, sind eben diese außergewöhnlichen Begebenheiten zur Banalität geworden.
Ein Spiel, dass den Spieler in den augenscheinlich banalen Alltag, mit seinen kleinen, aber doch gravierenden Auswirkungen wirft, bietet skurriler-weise die Abwechslung von der Banalität.

Lucas Pope hat mit Papers Please eine perfekt, dystopistische Alltags-Dokumentation geschaffen. Nicht nur überzeugt das Spiel mit einem langweiligen und zugleich herausfordernden Gameplay, es unterstreicht damit auch seinen Punkt: Es muss nicht immer um das Schicksal der gesamten Menschheit gehen, es fängt ganz klein, an einem Grenzübergang nach Arstotzka an.
Papers Please bietet eine gelungene Abwechslung zu all den „MASSIVER WELTKONFLIKT“ Spielen dieser Welt und sorgt mit gut differenzierten Problemen für unglaublich viel Zwiespalt im Kopf des Spielers. Es ist bedeutsam durch seine Banalität.

Papers Please ist für 8,99€ auf Steam zu haben. Wer seine Freiheit liebt, kann das Spiel auch in der DRM Freien Version direkt von Lucas Pope kaufenUnd wenn Euer Kind nach Essen schreit, oder gerade die Miete ansteht, könnt ihr das Spiel auch erst einmal kostenlos in der Beta Version spielen.

 

Quellen: Papers Please, Papers Please auf Steam, Lucas Pope, Lucas Pope Twitter