Der verlorene Spieltrieb (Teil 3)

Dieser Artikel wird etwas persönlicher. Es geht um mich, um Videospiele, um Pixelburg, darum wie ich meinen Spieltrieb verlor – und wie ich ihn wiederfand.

Die vorherigen Teile verpasst? Hier gehts zu Episode 1 und Hier gehts zu Episode 2

 

 

Ich hatte ausversehen den Welt-Nerd-Tag gegründet. Ausversehen in sofern, als dass ich das Ausmaß nicht ganz abschätzen konnte.
Ich saß an diesem Tag in der Uni. Ich lernte den richtigen Umgang mit Adobe Illustrator. Da saß ich einige Wochen zuvor schon und folgte nicht so recht dem Unterricht – Sorry, Henning – sondern entdeckte die Rasterfunktion und somit Pixel-Art für mich. In dieser Vorlesung entstand auch das damalige Pixelburg-Logo.

Gleiche Vorlesung, anderer Tag also, an dem ich wieder nicht so recht den Worten meines Dozenten folgte – again, Sorry Henning – sondern bei Facebook rumscrollte. Ich wurde in meiner Timeline darüber informiert dass „Tag des deutschen Butterbrotes“ sei.

So ein Unsinn, dachte ich. Warum gibt es eigentlich für jeden Scheiß einen eigenen Tag? Meine Protestaktion: Die Gründung des Welt-Nerd-Tages.

So ging die Zeit langsam voran und ich spielte derweil nur all zu selten.

Eines Tages bekam ich einen Anruf: „Moin, Soundso hier! Spreche ich mit dem Initiator des Welt-Nerd-Tages?“ WTF.
„Ähh, ja. Das bin ich wohl.“ – „Ja, super! Wir würden gern am Welt-Nerd-Tag zu euch kommen und fürs ZDF etwas darüber drehen, wie ihr den Tag verbringt.“ – „Äh, ok. Klar. Wir machen da voll die Party auch. Ähh, super! Dann äh, machen wir das!“

Ohne dass ich es noch mitbekam, hatte sich der Welt-Nerd-Tag verselbstständigt. Es waren mehrere Tausend Zusagen bei der Facebook-Veranstaltung. Es folgten Interviews mit dem Kölner Stadtanzeiger und einige kleine Blogs berichteten über den Tag aller Tage. War ganz schön groß so plötzlich.

Am 29. Juli 2011 war es soweit. Ein Produktionsteam für die Sendung „Bauerfeind“ stand vor meiner Tür. Ich hatte kurzfristig noch möglichst viele Leute eingeladen, alle Konsolen rausgekramt, angeschlossen und meine Spielesammlung sortiert. Es war so uninspiriert und albern, wie es nur hätte sein können. Aber der Beitrag funktionierte. Mir wurden Fragen gestellt, die ich brav beantwortete, es wurden Aufnahmen von Pizzaschachteln und Controllern gedreht und René durfte mit Pizzaresten im Bart noch ein paar Fragen über sein Liebesleben in die Kamera sabbeln. Und ich saß dort, in Mitten der Leute, mit einer Kamera im Gesicht und hatte die Dreistigkeit über das völlig falsche Bild der Nerds zu sprechen. Zu diesem Zeitpunkt war ich so wenig nerdig, wie es nur ging.

Heute ist mir die Begrifflichkeit schon fast unangenehm. Was ist schon ein Nerd? Braucht es unbedingt die positivere Konnotation dieses Wortes, oder wäre es auch ok, wenn am Mantel dieser Bezeichnung immer ein kleines bisschen Schmutz kleben bliebe?
War das, was ich für einen Nerd hielt, nicht eher ein Geek? Was war denn überhaupt ein Geek? Und sollte man überhaupt in solchen Kategorien denken? Bla, bla, bla.

Ich entschied mich irgendwann zwischen damals und heute dazu: Ich bleib dabei. Welt-Nerd-Tag. Bumms. Jeder macht für sich selbst was draus. Und wenn ich eins aus der Springer-Presse gelernt habe, dann dass es zieht, wenns aufregt. Herzlich Willkommen im Internet. Entweder es macht mich an, oder es empört mich. Ansonsten ist es sofort wieder weg. Welt-Nerd-Tag it is.

Was das Ganze mit meinem Spieltrieb zu tun hat? Ganz einfach. Die ganze Situation mit dem Interview, mit mir als „Initiator“, mit Pixelburg in der Öffentlichkeit. Ich merkte, dass ich dringend mal wieder Spielen muss. Einfach nur um nicht das Gefühl zu haben, ich würde lediglich eine Rolle spielen.

So kam mein Spieltrieb wieder. Wenn auch nur kurz.

Ich holte Batman: Arkham Asylum nach. Ich spielte sogar einen halben Tag lang wieder WoW und Counter-Strike. Ich rannte los und kaufte DJ Hero für die Playstation und scratchte mit meinem Mitbewohner zu „American Girl“. Wir starteten gemeinsam im Wohnzimmer eine Fifa Saison mit dem FC St. Pauli und ballerten uns durch den Ko-Op von Gears Of War.
Ich spielte wieder. Wenn auch nicht mit ganzem Herzen. Aber immerhin.

Das war jedoch noch lang nicht alles. Denn es wurde wieder weniger. Sehr viel weniger.

Wie viel weniger tatsächlich erfahrt ihr nächste Woche.