Einblick: Beyond Two Souls

Gestern Abend stattete ich dem PSN-Store mal wieder einen Besuch ab. Eigentlich um Rain vorzubestellen und zu gucken was ich denn mal wieder so schönes „geschenkt“ bekomme. Und da war es. Exklusiv für PS+ Nutzer. Die Demo von Beyond Two Souls, dem Face-Capturing-Kracher von QuanticDream (Heavy Rain). In der Hauptrolle die bezaubernde Ellen Page (Juno) und der großartige Willem Dafoe (Platoon, Mississippi Burning). Die Starbesetzung deutet schon darauf hin:

Es handelt sich hierbei um eine Gratwanderung zwischen Game und Film. Ein „interaktives Action-Drama, das den Spieler hautnah ins Spielgeschehen eintauchen lässt und eine emotionale Achterbahnfahrt bietet.“ verspricht QuanticDream auf der Website.

 

Die Hauptdarstellerin Jodie hat übernatürliche Kräfte. Schon seit dem Kindesalter hat sie diese Verbindung zu ihrer Kraft, die sich Aiden nennt.

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Jodie lebt auf der Straße, von allen verlassen außer von Aiden, ihrem mächtigen imaginären Freund.

 

Nachdem Jodie als kleines Mädchen von ihren Eltern getrennt wurde, kam sie in die Obhut von Wissenschaftler Nathan Dawkins, der sie im Institut für Paranormale Aktivitäten untersuchte. Als das CIA auf Jodies Fähigkeiten aufmerksam wird, setzen sie alles daran sich sich zu Nutze zu machen.

 

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Willem Dafoe als Nathan Dawkins


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Die Demo:

Ich komme in den Genuss zwei Missionen spielen zu dürfen. „Das Experiment“ und „Gejagt“.

In der ersten von beiden spiele ich Jodie als kleines Mädchen im Institut für paranormale Aktivitäten. Der Mitarbeiter Cole Freeman holt mich aus meinem sorgsam hergerichteten Kinderzimmer ab. Sofort bemerkt man: Hier läuft alles ein wenig anders. Ein HUD gibt es nicht. Die Kamera sorgt für sanfte Fahrten und schöne Blickwinkel. Definitiv mehr Film als Spiel – nur dass ich entscheide was Jodie macht.

Wir ziehen los zu Nathan. Der Winkel der Kamera gibt einem tatsächlich das Gefühl die Welt aus Kindesaugen zu sehen. Ich bekomme ein EEG Gerät auf den Kopf.

Vor mir liegen 5 Karten mit Symbolen darauf. Im Nebenraum sitzt eine andere Mitarbeiterin des Instituts mit den selben 5 Karten. Ich soll sagen, welche Karte sie als erstes auswählt.

Kein Problem. Ein Knopfdruck auf Dreieck und ich steuere Aiden. Der wabert fix durch die Wand, schaut sich die Karte genau an und kommt wieder zu Jodie zurück. Ein Stern ist auf der ersten Karte. Das Ganze mache ich drei Mal. Stern, Viereck, Welle.

Nun soll ich im Nachbarraum den Stapel aus Holzwürfeln umwerfen. Als Aiden bewege ich mich durch die Wand, fixiere die Würfel und lasse sie durch den Raum werfen. Ich soll noch mehr bewegen. Also bewege ich die Karten. Und die Wasserflasche. Die Angestellte gerät in Panik. Während sie zur Tür stürmt, werfe ich den Tisch, die Kamera, den Aktenschrank und den Stuhl um. Warum? Keine Ahnung, ich wollte ihr irgendwie einen Schrecken einjagen. Das scheint auch so gewollt zu sein. Sie reißt an der Türklinke. Anscheinend habe ich mit Aiden die Tür verschlossen. Die Mitarbeiter des Instituts schreien über die Sprechanlage ich möge doch bitte aufhören. Mir wird jetzt erst klar, dass ich schon wieder keine Minute in einem Spiel verbracht habe ohne meine Machtposition größtmöglich auszunutzen. Ich kehre in Jodies Körper zurück und beende damit den Spuk. Sitze danach erstmal ein paar Minuten in meinem Stuhl und frage mich: „Wollten die, dass ich ausflippe, oder hätte ich auch ruhig bleiben können?“. „Bin ich hier der böse Geist, oder ist Aiden eh so veranlagt?“. Man merkt – das Psychospielchen funktioniert schon jetzt.

Zurück im Spiel laufen Jodie die Tränen über das Gesicht. Ich fühle mich schlecht. Ich habe dem Mädchen wohl gerade ziemlich viel abverlangt.

Ich versuche wieder in Jodies Rolle zu schlüpfen.  Nathan tröstet mich und sagt mir immer wieder dass es nun vorbei ist. Ich soll keine Angst haben. Es ist vorbei. Ich löse mich aus der Umarmung und sage mit starrem Blick: „Es ist nie vorbei.“

Gänsehaut – Fade To Black.

Nächste Szene. Es sind einige Jahre vergangen, denn Jodie ist älter. Wir befinden uns in einem Dojo beim Kickboxtraining. Das sehr unaufdringlich implementierte Tutorial erklärt mir, dass ich in Zeitlupenszenen mit dem Stick die Richtung von Jodies Bewegungen nachverfolgen soll um die Aktion, hier den Schlag auszuführen. Das ganze trainiere ich ein wenig. Mein Trainer scheint zufrieden.

Fade To Black.

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Mission: Gejagt

Ein Zug rollt auf Schienen durch ein dicht bewaldetes Gebiet. Es regnet und durch die Scheibe sehe ich Jodie im Zug auf den Sitzen schlafen. Klarer Fall – Ich bin also gerade Aiden. Also diffundiere ich durch die Scheibe und wecke Jodie sanft durch das Umwerwirbeln ihrer Wasserflasche. Sie schimpft mit mir, stellt die Flasche wieder hin und legt sich wieder schlafen.

Also vertreibe ich mir anders die Zeit. Ich ziehe los und ärgere andere Passagiere in dem ich ihnen einen kalten Schauer durch den Körper jage oder ihr Buch umblättere.

Der Zug stoppt und draußen stehen zwei Sherrifs der örtlichen Polizei. Als brave Spektralkraft wecke ich Jodie erneut mit der Wasserflasche und warne sie so vor der nahenden Bedrohung.

Die Polizisten führen eine „Routine-Kontrolle“ durch und verlangen die Ausweise jedes Mitreisenden. Ich steuere nun Jodie und versuche unauffällig das Abteil zu verlassen. Es gelingt mir nicht so recht und die Polizei fordert mich auf sitzen zu bleiben. Sie erkennen mich. Ich bin die Gesuchte. Es beginnt ein Fluchtszenario.

In Zeitlupen-Events muss ich Zugtüren öffnen, über Koffer springen und die Schläge eines Polizisten abwehren. Sie drohen zu schießen. Ich renne weiter. Der Schuss verfehlt mich und ich verschwinde in der Zugtoilette und schließe ab.

Mit Aidens Hilfe schaffe ich es die Dachluke zu öffnen. Durch Einsatz der Six-Axis Funktion des Controllers springe ich nach Oben und klettere auf das Dach des fahrenden Zuges, während die Polizisten die Tür eintreten. Ich versuche über das Dach zu flüchten. Hinter mir kommen Polzisten aus der Luke, vor mir klettern sie durch die Seitenfenster nach oben. Zeitlupen-Action hilft mir einige Angriffe abzuwehren und ein paar Schläge und Tritte auszuteilen, doch am Ende bin ich umzingelt. Einziger Ausweg. Der Sprung.

Wieder der Wechsel zu Aiden. Ich mobilisiere meine Kräfte um Jodie in einem Schutzmantel zu umhüllen. Sie springt ab, landet sicher und der Zug rast samt den Gesetzeshütern davon.

Da stehe ich nun. Im strömenden Regen im Wald und suche einen Ausweg um zu Verschwinden, als sich plötzlich ein Hubschrauber und eine Hundestaffel in der Ferne ankündigt. Ich renne los. Springe über Baumstämme und krieche unter Ästen hindurch. Während ich versuche einen Fluss zu durchqueren endeckt mich der Hubschrauber. Ich renne weiter, bis mich einer der Spürhunde packt und in die Enge treibt. Es gesellen sich noch mehr dazu und ich versuche die beißenden Köter mit einem Stock abzuwehren. Es scheint aussichtslos, also greife ich mit Aiden ein um die Hunde zu vertreiben. Das hat zwar Erfolg, doch sind die Sherrifs nun auch schon da und umzingeln mich mit geladenen Waffen.

Schnitt.

Ich sitze im Streifenwagen und warte darauf dass das CIA mich abholt. Keine Chance zu entrinnen. Weder eine Schwachstelle bei den Handschellen, noch a an der Verriegelung der Tür. Ich sitze in der Klemme.

Den Fahrer mit den Handschellen zu erwürgen scheint ja immer zu funktionieren. Er wird ohnmächtig, ich schnappe mir die Schlüssel und Aiden öffnet die Tür für mich. Ein Polizei-Motorrad steht als Absperrung hinter dem SUV aus dem ich krieche. Mit Aiden werfe ich den anderen SUV um und sorge so für Ablenkung um mit Jodie auf dem Chopper zu flüchten.

Das Motorrad steuere ich selbst durch die kurvigen Straßen der Waldgegend. Der Helikopter verfolgt mich und auch das ausgeschaltete Frontlicht führt zu keinem wünschenswerten Ergebnis. Ich fahre auf eine Brücke zu. Eine Brücke die von einem Sondereinsatzkommando gesperrt wurde. Fuck.

Hinter uns Helikopter, vor uns SWAT. Einzige Chance. Mitten durch. Aiden hilft dabei tatkräftig. Meine Flucht gelingt und ich fahre in die nächstgelegene Stadt Bakertown. Eine Kugel erwischt meinen Hinterreifen. Ich stürze auf den Boden und krieche hinter einem Auto in Deckung.

Als Aiden soll ich es richten. Ich werfe Autos auf SWAT-Leute und sorge für Zerstreuung. Nun entdecke ich eine neue Fähigkeit. Aiden kann auch den Geist und Körper von Menschen eindringen. Damit erledige ich einen Haufen der Einsatzkräfte durch Friendly-Fire, jage mit einer Granate eine Tankstelle und alles drumherum in die Luft und lasse den Heilkopter abstürzen. Ich trete mit Jodie auf die Straße. Niemand ist mehr am Leben, außer dem Einsatzleiter der sich mit dem Tode ringend auf dem Boden entlangrobbt. Ich packe ihn und spreche eine Drohung aus. Beim nächsten Mal erwischt es alle.

Fade To Black. Ende der Demo.

 

(Zum Fazit auf der nächsten Seite)

Die Demo von Beyond Two Souls wirft einen mitten in die tragische und spannende Geschichte von Jodie. Die Kamerafahrten sind außergewöhnlich toll inszeniert, das Gameplay geht innerhalb kürzester Zeit ins Gefühl über und macht so Erklärungen, CTAs und HUD überflüssig. Man spielt einen Film und das funktioniert an jeder Stelle ganz ausgezeichnet. Die Demo hat zwei optionale Enden. Was bei mir passiert ist, habt ihr ja gelesen – Was das andere Ende sein könnte – Probiert es aus!

Vermutlich dürfte hiermit auch das Ende der Fahnenstange erreicht sein, was die aktuelle Konsolengeneration an Grafik zu leisten im Stande ist. Unfassbar stimmige und harmonische Bilder, FANTASTISCHES LICHT und die aufwändig gecaptureten Gesichter von Schauspielern, deren Mimik sowieso nahezu perfekt ist, lassen hier vor Schönheit die Augen tränen.

Ich sitze nun hier und bin traurig dass die Demo schon vorbei ist. So gern würde ich wissen wie es mit Jodie nun weitergeht. Und wie es erstmal soweit kam. Beyond Two Souls scheint mir ein Spiel zu sein, dass man als PS3-Besitzer auf keinen, keinen, keinen Fall verpassen sollte.

Ich geh jetzt erstmal kalt duschen. Boah.