Angespielt: Tomb Raider

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Es scheint, als ob nach dem bereits unglaublich guten „Batman Begins“ und seinem noch besseren Nachfolger „The Dark Knight“ alle Superhelden im Filmuniversum einen menschlicheren Anstrich bekommen sollen. Im Trailer zu „Iron Man 3“ muss der Titelheld ordentlich einkassieren, und der neue Superman-Film von Zack Snyder scheint mit seinen düsteren ersten Bildern einen ähnlichen Weg zu gehen. Warum ich das erzähle? Ganz einfach: Dieser Trend ist nun auch auf Videospielkonsolen angekommen.

Den Anfang macht Tomb Raider. Die einstige Super-Archäologin mit Riesen-Vorbau ist nun ein Mädchen, grade mal so eben Anfang 20. Ich habe mich 3 Stunden mit der noch unerfahrenen Ms. Croft auf die mysteriöse Insel begeben, um euch einen kleinen Eindruck des Spiels geben zu können.

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Als allererstes muss ich sagen: Es ist verdammt lange her, dass ich einen Tomb Raider-Teil gespielt habe (10-12 Jahre??). Von daher fehlt mir der Vergleich mit den alten Spielen. Was allerdings als erstes auffällt: Das Spiel hat keine Jugendfreigabe. Und das hat auch seine Gründe, dazu aber später mehr. Zur Story: Ihr seid mit einem bunt gewürfelten Haufen unterwegs, um gleich zu Beginn eurer Archäologen-Karriere einen dicken Klopper an Land zu ziehen: Die verschollene Insel Yamatai, dessen Königen Himiko angeblich die Sonne kontrollieren konnte. Doch euer Schiff gerät im sogenannten „Drachendreieck“ („Das Bermudadreieck ist dagegen Disneyland!“) in einen Sturm, und so strandet ihr auf einer unbekannten Insel. Bevor ihr euch mit euren Kameraden treffen könnt, werdet ihr bewusstlos geschlagen und wacht kopfüber hängend in einer Höhle auf.

Hier beginnt das Spiel. Und bereits nach 5 Minuten ist klar: Es geizt nicht mit brutalen Szenen. Um euch zu befreien, müsst ihr eine Leiche in Brand stecken. Nachdem ihr von euren Fesseln befreit seid, fällt Lara erst einmal auf ein rostiges Rohr, dass sich durch ihre Taille bohrt. Und wenn ihr bei einem der häufigen Quicktimeevents versagen solltet, wird Lara in bester „Dead Space“-Manier das Licht ausgeknipst: Ein Felsen fällt ihr auf das Bein, ein Wolf reißt ihr die Kehle auf, oder eine fieser Russe drückt ihr die Luft ab.

Umso wichtiger ist es, dass Square Enix und Crystal Dynamics es geschafft haben, die Intensität des Szenarios auf den Spieler zu übertragen. Gelegentlich hat das Spiel sogar Horror-Anleihen, wenn Lara sich zum Beispiel durch eine kleine, enge Höhle quetscht und ihr im Fackelschein die Knochen von anderen Menschen sehen könnt. An diesen Momenten hatte ich wirklich ein bisschen Schiss, was das komplette „Resident Evil 5“ nicht bei mir auszulösen vermochte. Auch bei den, zugegebenermaßen, häufigen Stürzen rummst es ordentlich. Jede Erschütterung, jede Explosion scheint man selber zu fühlen und zu erleben.

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Zur Grafik kann man lediglich sagen: Es sieht verdammt super aus. Keinen einzigen Glitch konnte ich bisher entdecken, nicht einmal hat das Spiel geruckelt, trotz manchmal extrem nerviger Wackel-Kamera. Die Soundkulisse passt auch hervorragend. Pistolenschüsse, Tierrufe, alles hört sich wahnsinnig gut an. In der deutschen Sprachausgabe gibt es ein weiteres Highlight: Lara wird von Nora Tschirner gesprochen (ihr wisst schon, die Olle aus diesem „Dreinasenschwein“ oder wie der auch immer hieß). Und sie macht ihre Sache ausgesprochen gut.

Nun zum Thema Menschlichkeit. Ja, Lara kriegt tierisch auf die Fresse. Und ja, am Anfang ist sie ein weinerliches, kleines Mädchen. Da sie Hunger hat, muss sie einen Hirsch erlegen. Bevor sie ihn jedoch ausweidet, entschuldigt sie sich bei dem Tier. Aber macht es mir was aus? Nein. Es passt super zum restlichen Spiel. Wenn „Uncharted“ und Nathan Drake die großen, netten Brüder sind, so ist das neue „Tomb Raider“ die kleine fiese Schwester: Es ist dreckig, es ist hart, und es macht einfach unglaublich viel Spaß!.

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Einziger Wermutstropfen: Bereits jetzt bin ich anscheinend bei der Hälfte des Spiels angelangt. Ich hoffe allerdings inständig, dass ich noch eine lange Zeit mit Lara (Zitat: „Ich hasse Gräber.“) auf der Insel verbringen werde. Und wenn alles nichts hilft, spiele ich eben den Multiplayer-Modus. Denn den gibt es inzwischen auch.

Matze

Bilder und so!