Resident Evil 7 Keyart Diner

Resident Evil 7 – Meet the Bakers

Die Resident Evil-Serie ist trotz einiger mehr als fraglicher Ableger unabstreitbar Kult und dürfte so ziemlich jedem Videospieler zumindest ein Begriff sein. Vor über 20 Jahren erschien der erste Teil für die Playstation 1 und prägte den Begriff “Survival-Horror” sowie das zugehörige Genre maßgeblich. Jedoch ging die Serie immer weiter weg von den prägenden Horror-Elementen und die späteren Teile verkamen mehr und mehr zu generischen Action-Titeln, die außer losen Story-Verknüpfungen nicht mehr viel mit den Qualitäten der ersten Teile gemein haben. Mit Resident Evil 7 sollen eben genau diese Fehler nicht wiederholt werden, vielmehr soll der neuste Ableger Back to the roots gehen. 

Um zu überprüfen, was es bedeutet, wenn Resident Evil im Jahre 2017 zurück zu den Wurzeln der Reihe gehen will, habe ich die Erwachsenenwindeln angelegt und mich in der Playstation 4-Version von Resident Evil 7 mit der Familie Baker und ihren Geheimnissen bekannt gemacht. Was mich in Louisiana erwartet hat und ob mein neues Beinkleid Verwendung gefunden hat erfahrt ihr im Review!









Welcome to the family, son!

Wir schlüpfen in die Rolle von Ethan, der sich in die fiktive Kleinstadt Dulvey im amerikanischen Bundesstaat Louisiana macht, um einer Stimme aus der Vergangenheit zu folgen. Seine tot geglaubte Frau Mia meldet sich nach über drei Jahren mit seltsamen Videobotschaften und natürlich wollen wir diesen nachgehen. Am Zielort seiner Bestimmung machen wir jedoch deutlich schneller als uns lieb ist Bekanntschaft mit der mehr als seltsamen Hillbilly-Familie Baker. Mangelnde Gastfreundschaft kann dieser wirklich nicht unterstellt werden, so heißt uns Vater Jack direkt bei unserem ersten Aufeinandertreffen als Teil der Familie willkommen und aus der nachfolgenden durch einen Schlag des Papas verursachten Ohnmacht erwachen wir am familiären Esstisch. Auf dem Speiseplan stehen Innereien, welchen Ursprungs diese konkret sind kann jedoch nur gemutmaßt werden. 

Aufgrund akuter Verweigerung des Essensaufnahme unsererseits greift Jack zu deutlich drastischeren Mitteln, um uns dazu zu zwingen, am idyllischen Abendessen teilzunehmen. Jedoch wird die Familie durch ein Klingeln vom Tisch weg gelockt und entfernt sich fluchend aus dem Esszimmer. Wir bleiben mit der apathisch wirkenden Großmutter zurück und schaffen es, unsere Fesseln zu lösen und uns vom Stuhl, an den wir gefesselt wurden, zu befreien. Das Ziel, das wir fortan in Resident Evil 7 verfolgen ist klar: so schnell wie möglich aus dem Haus der Bakers entkommen und dabei möglichst noch feststellen, was in selbigem vor sich geht. Denn schnell wird klar: sowohl mit der Familie als auch mit den vermeintlichen Botschaften unserer Frau ist etwas gewaltig faul.

Alte Ideen, neue Technik

Bei unserer Flucht gibt es viele Spielmechaniken, die Serienkenner bereits aus den ersten Teilen kennen dürften, die jedoch mit viel Vorsicht in die Neuzeit portiert und um einige sinnvolle neue Elemente erweitert wurden. Als erste und größte Neuerung fällt auf, dass Resident Evil 7 in der First-Person gespielt wird. Damit springt der Titel nicht nur auf den First-Person-Horror-Zug auf, der vor einigen Jahren mit Titeln wie Slender oder Amnesia gestartet wurde, sondern stellt auch das erste Resident Evil dar, in dem wir das Spielgeschehen durch die Augen des Hauptcharakters verfolgen. Besonders im Hinblick auf die VR-Unterstützung ist die Ansicht interessant, es bieten sich oftmals intensive Momente, die mit einer Playstation VR auf dem Kopf für die eine oder andere durchweichte Unterhose sorgen dürften.

Die neue Betrachtungsweise kann ganz besonders bei Sequenzen, in denen es gilt, sich vor einem umher schleichenden Familien-Mitglied zu verstecken, ihre Stärken ausspielen. Denn wie es sich für einen Survival-Horror-Titel gehört, ist die Munition stets begrenzt und das Messer, dass Ethan bei sich trägt, verursacht nicht wirklich viel Schaden. So gilt es, sich hinter Dielen, Kisten oder Regalen zu verstecken, um den idealen Zeitpunkt abpassen zu können in dem wir in den nächsten Raum huschen können. Sollte uns ein Baker dabei erwischen können die Dinge schnell tödlich enden, denn die Familie ist nicht nur besser bewaffnet als wir, sondern verfügt auch über einige ziemliche seltsame und übermenschliche Kräfte. 

Resident Evil 7 Marguerite

Sich vor den Bakers zu verstecken ist oftmals unumgänglich.

So schleichen wir uns durch das nicht gerade kleine Anwesen sowie das dazugehörige Grundstück, stets die Paranoia im Nacken, dass uns gleich ein Mitglied unserer neuen Familie von der Seite anfällt und uns für unsere Undankbarkeit bestraft. Selbstverständlich stehen uns nicht direkt alle Bereiche zur Verfügung. Viele Türen sind verschlossen, zudem bietet das Haus einige geheime Gänge, die wir nur durch sorgsames Beobachten entdecken können.

In manchen Szenen ist es jedoch freilich nicht möglich einer Konfrontation zu entgehen. Die Bosskämpfe sind stets fordernd, jedoch nie wirklich unfair gestaltet. Leider funktionieren nicht alle Scharmützel gleich gut, während die Auseinandersetzungen mit Vater Jack zumeist spektakulär und packend sind ist beispielsweise Mutter Marguerite eher nervig und schon fast langweilig. 

Wohin nun?

Zum Glück lässt uns Resident Evil 7 nicht so orientierungslos zurück, wie es noch in früheren Serienteilen der Fall war. Sobald wir einen neuen Bereich betreten finden wir relativ schnell eine Karte des selbigen, die wir jederzeit öffnen können. Diese zeigt uns nicht nur den Grundriss sowie eine Beschreibung der darauf befindlichen Räume, es werden auch interessante Punkte eingezeichnet. So gibt es wieder Safe Rooms, in denen wir kurz verschnaufen sowie abspeichern können und Items, die aktuell nicht benötigt werden, in einer Kisten ablegen dürfen. Auf die in der Box aufgelegten Objekte haben wir natürlich auch von anderen Safe Rooms aus Zugriff. Neben der manuellen Speicherung wird unser Fortschritt zudem an wichtigen Punkten übrigens auch automatisch gesichert. 

Besonders komfortabel ist der Umstand, dass auf der Karte auch spezielle Türen eingezeichnet werden. So gibt es verschiedene Schlüssel, wie beispielsweise einen mit einem Skorpion verzierten oder einer, der von einer Schlange geschmückt wird. Diese öffnen neben Story-relevanten Türen jedoch auch Bereiche, in die wir optional können, die jedoch im Zweifel spielentscheidende Items enthalten oder uns kleine Story-Segmente verraten. So können wir nach dem Finden eines neuen Schlüssels erst einmal in Ruhe die Karte checken (wenn die Situation dies zulässt) und unsere nächsten Schritte planen.

Resident Evil 7 Trailer

Der Wohnwagen im Vorgarten – gefährlich oder nicht?

Die Rätsel in Resident Evil 7 sind angenehm oldschoolig, jedoch zu keinem Zeitpunkt zu schwierig gehalten. Oftmals reicht es, ein bestimmtes Objekt zu finden, um dieses an anderer Stelle zu platzieren. So können wir mit Hilfe einer Laterne einen Mechanismus bedienen, der eine essentielle Tür öffnet, oder aber wir werfen mit Hilfe von seltsam anmutenden Kunstobjekten bestimmte Schatten an die Wand. 

Schaurige Technik

Technisch kommt Resident Evil 7 sehr sauber daher. Das Design des Baker-Anwesens sowie die damit verbundene grafische Umsetzung jagt regelmäßig Schauer über den Rücken und “What the fucks” über die Lippen. Jeder Abschnitt wurde mit viel Liebe zum Detail entwickelt und das gelungene Spiel von Licht und Schatten lässt uns beim Spielen regelmäßig erschreckt umdrehen. Das Haus bietet viele kleine und große Elemente, die schon fast einen Würgereiz hervor rufen. Überall krabbelt und kriecht es und spätestens im Keller, als wir auf mysteriösen schwarzen Schleim und dessen Bewohner treffen, bleibt keine Hose mehr trocken. 

Was jedoch wirklich Anerkennung verdient hat und ständig zur angespannten Stimmung beiträgt ist die Soundkulisse. Die Behausung der Familie Baker ist alt und knarzt dementsprechend an allen Ecken und Enden. Jedoch sind auch ständig leichte oder laute Schrittgeräusche zu hören, Regen peitscht gegen die Wände oder Türen fallen wie von Geisterhand ins Schloss und geben dabei einen lauten Knall von sich. Musik gibt es kaum bis gar nicht, wenn dann hält sich diese sehr im Hintergrund, es handelt sich eher um Ambient-Sounds als um einen richtigen Soundtrack. Hier ist definitiv zu sagen: Resident Evil 7 muss unbedingt mit Kopfhörern oder mindestens über eine anständige Anlage gespielt werden, damit der Titel seine volle Schock-Wirkung entfalten kann.

Resident Evil 7 Monster

Die Bakers stellen nicht die einzige Gefahr dar.

Die Atmosphäre in Resident Evil 7 bringt genau das, was versprochen wurde: Horror, der sich von der letztjährigen Konkurrenz nicht verstecken braucht und uns das Blut in den Adern gefrieren lässt. Durch die Kombination aus stimmungsvoller Optik und brilliantem Sound befand zumindest ich mich in einem stetigen Zustand des “Über-die-Schulter-Sehens” sowie ständiger Anspannung. Diese machte für mich weitaus mehr den Horror des Titels aus, als die gelegentlichen Jump-Scares, da diese oftmals noch nicht einmal tatsächlich überraschend kamen.

Fazit

Resident Evil 7 liefert wie versprochen klassischen Survival-Horror, garniert mit einigen frischen neue Ideen. Die Stimmung, mit der sich durch das Haus der Bakers geschlichen wird, ist stets angespannt und intensiv, die Gefahr könnte hinter jeder Ecke lauern. Auch die Story, die auf den ersten Blick schon arg 08/15 klingt nimmt im Spielverlauf durchaus an Fahrt auf und bietet einige interessante Wendungen.

Der Titel kann sowohl Fans der klassischen Serie wie auch Freunden neuer Horror-Titel im Stil von Outlast oder Layers of Fear empfohlen werden, jedoch ist bei Resident Evil 7 der Action-Anteil noch deutlich höher. Solltet ihr jedoch an schwachen Nerven leiden ist es unbedingt ratsam, einen großen Bogen um den Titel zu machen. 

Disclaimer: Zur Vermeidung grober Spoiler, beziehungsweise um euch möglichst viel Ersteindrucke vorzuenthalten, wurden nur Screenshots aus circa der ersten Hälfte des Spiels verwendet.

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